Stellungnahme der Bürgerinitiative vom 22.07.2016

Jetzt gibt es die Terrag GmbH zu:  die Beantragung der AVV 10 01 16* war kein Versehen (vgl. PM vom 21.7.16). Dies entlarvt die Arbeitsweise der Firma: zunächst im Mörsbacher Ortsbeirat alles als Versehen darstellen, dann scheibchenweise die Wahrheit zugeben und dabei noch beschönigen, wo immer es geht. Die Firma hat gezielt versucht, eine Abfall-Schlüsselnummer zu beantragen, die zu Recht auf der Deponie Rechenbachtal nicht zugelassen ist, da in diesen Filterstäuben je nach Art der Abfallverbrennungsanlage eben doch relevante Mengen an krebserregenden Dioxinen und Furanen enthalten sein können. Diese verflüchtigen sich bereits bei geringen Temperaturen und werden von den an der Konditionierungsanlage eingebauten Kompaktfiltern nicht zurückgehalten. Auch geringe Mengen dieser Stoffe reichern sich nach und nach in der Umgebung und im Menschen an und können bereits in sehr geringer Dosierung schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen.

Der spontane Kommentar eines BI-Mitglieds: „Ich dachte die Augsburger Puppenkiste hätte Baron Münchhausen in ihr Programm aufgenommen, Hauptdarsteller Hr. Scherer, Geschäftsführer der Fa. Terrag, fraglich nur, wer die Fäden zieht!“

Eine Firma, die nur die Kundenbedürfnisse und ihre eigenen Verdienstmöglichkeiten im Visier hat, die offenbar gewaltige interne Kommunikationsprobleme aufweist, deren Havarie-Management unterirdisch bis nicht vorhanden gewesen ist, die dann noch derart fehlerhafte Anträge stellt, hat unserer Meinung nach jegliches Vertrauen verspielt. Weder Zweibrücken noch Mörsbach noch die UBZ brauchen hier die Verarbeitung gefährlicher Stäube! Die ungefährlichen Stäube sind bereits schwermetallhaltig genug! Wir alle haben finanziell von diesen Stäuben wenig bis gar nichts, warum sollten wir die Gesundheit der Anwohner und der UBZ- Mitarbeiter für die Bedürfnisse der Firma Terrag aufs Spiel setzen?? Die Verarbeitung von Stäuben jeglicher Art in dieser exponierten und siedlungsnahen Anlage übergeht völlig die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Sicherheit und Gesundheit.

Wir hoffen, dass Herr OB Pirmann, die Mitglieder des Bauausschusses und die Stadträte sich der Verantwortung für all diese Menschen bewusst sind – sie sind nicht verantwortlich für mehr oder weniger Verdienst der Terrag GmbH, sondern für unsere Gesundheit!

Damit die  Verantwortlichen nicht nur von der Firma Terrag informiert werden, haben wir den Stadtratsfraktionen gemeinsame Gespräche über dieses Thema angeboten, um unsere Bedenken im Detail zu erläutern.

Anbei noch einige Informationen über die nach Streichung der AVV 10 01 16* verbliebenen vier Schlüsselnummern (siehe auch Anlagen):

 

Beantragte Abfall-Schlüsselnummer Schadstoffe Gefahrenrelevante Eigenschaft
19 01 13* (Filterstäube) Blei, Cadmium, Kupfer, Zink, Quecksilber Dioxine, Furane umweltgefährlich
10 01 15* (Kesselstäube) Blei, Nickel, Bor, Kupfer, Zink ReproduktionstoxischÖkotoxisch,gesundheitsschädlich
10 01 14* und 19 01 11* (Rost- und Kesselaschen) Blei, Cadmium, Kupfer, Zink Umweltgefährlich, bei Nickel > 1% giftig

 

Filterstäube der Nummer 19 01 13* können beträchtliche Mengen verschiedener Schwermetalle sowie auch Dioxine und Furane enthalten (Anfrage der GRÜNEN im Bremer Senat vom Dezember 2011;s. Anlage). Die Analysenwerte der drei genannten Kraftwerke dürften mit den unsrigen vergleichbar sein. Entscheidend ist, dass solche Stäube unter dieser Schlüsselnummer verarbeitet werden können – welchen Schwermetall- und Dioxingehalt Firma Terrag nach erfolgter Genehmigung dieser Nummern verarbeiten wird, werden wir alle dann nicht mehr überprüfen oder ändern können!

Entgegen der Aussagen von Herrn Immesberger werden Filterstäube natürlich auch aufgrund ihres Schwermetall- und Dioxin-/Furangehalts als gefährlicher Abfall eingestuft (s. Erläuterung unten!).

Kesselstäube (AVV 10 01 15*) enthalten laut einer Untersuchung des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt von 2012 Blei, Nickel, Bor, Kupfer und Zink oberhalb der Berücksichtigungsgrenzen  für das Merkmal „reproduktionstoxisch“, „ökotoxisch“ und „gesundheitsschädlich“. (s. Anlage LAU S. 36-42).

Die anderen beiden Nummern des Terrag- Antrags AVV 10 01 14* und 19 01 11* (Rost- und Kesselaschen) werden aufgrund der Blei-, Cadmium-, Kupfer- und Zinkgehalte als „umweltgefährlich“ eingestuft (s. Untersuchung der Tauw GmbH S. 156). Liegen die Nickelgehalte über 1 % kann der Abfall auch „giftig“ sein, dies insbesondere für Kinder.

Allgemeine Information:

Gemäß RL 91/689/EWG über gefährliche Abfälle wird ein Abfall als gefährlich eingestuft, wenn er mindestens eine der gefahrenrelevanten Eigenschaften H1 bis H14 erfüllt. Diese RL verweist hinsichtlich der Einstufungskriterien wiederum auf die Europäische Stoffrichtlinie (RL 67/548/EWG), die im Detail alle Klassifizierungskriterien festlegt.

H1 “explosiv“, H2 “brandfördernd“, H3A “leicht entzündbar“, H3B “entzündbar“, H4 “reizend“, H5 “gesundheitsschädlich“, H6 “giftig“, H7 “krebserzeugend“, H8 “ätzend“, H9 “infektiös“, H10 “teratogen“, H11 “mutagen“, H12 “Stoffe und Zubereitungen, die bei der Berührung mit Wasser, Luft oder einer Säure ein giftiges oder sehr giftiges Gas abscheiden“, H13 “Stoffe und Zubereitungen, die nach Beseitigung auf irgendeine Art die Entstehung eines anderen Stoffes bewirken können, z. B. ein Auslaugungsprodukt, das eine der oben genannten Eigenschaften aufweist«, H14 “ökotoxisch“.

Nachfolgend als Anlagen die Quellentexte zu unseren Aussagen über die Schadstoffe in den noch verbliebenen vier AVV_Nummern.

Inhaltsstoffe Filterstäube

Gefahreneinstufung Tauw GmbH von der Kommission für Anlagensicherheit (KAS)

Berichte_LAU_2012_3

 

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