Staubwolke über der Deponie

Pfälzischer Merkur vom 21. Juli 2015

Vergangene Woche ist zum zweiten Mal Staub aus der Konditionierungsanlage auf dem Gelände der Deponie Rechenbachtal entwichen. Verantwortlich war dieses Mal laut Betreiber ein Leck in einem der Silos.

Wie die Beobachter der Papstwahl gebannt auf den Schornstein der Sixtinischen Kapelle blicken, so blicken die Mörsbacher auf die Silotürme der Konditionierungsanlage auf dem Gelände der Mülldeponie. In Rom heißt es bei weißem Rauch „habemus papam“ („Wir haben einen Papst“), in Mörsbach bei Rauch jedweder Farbe „Wir haben einen Störfall“. Der zweite wurde am Donnerstag vergangener Woche dokumentiert. Von der Bürgerinitiative Mörsbach (BI), nicht vom Betreiber Terrag, ärgert sich der BI-Vorsitzende Dennis Nizard: „Von denen kam gar nichts.“ Unschöne Erinnerungen an den schwarzen Schnee vom Januar wurden wach: Damals hatte es einen Monat gedauert, bis Terrag eingeräumt hatte, für die Verschmutzung verantwortlich zu sein (wir berichteten).

Der vergangene Woche beobachtete bräunliche Staub wurde laut Nizard „in kurzen Intervallen wiederholt von einem der Silotürme der Konditionierungsanlage ausgestoßen“. „Zeitnah“ habe Ortsratsmitglied Friedel Jost am Freitag bei Terrag nachgefragt, bis Montagmorgen jedoch keine zufriedenstellende Antwort bekommen. Daraufhin schickte die BI eine Anfrage an die zuständige Aufsichtsbehörde, die SGD Süd. Die forderte eine Stellungnahme von Terrag und bekam sie. Das Unternehmen, heißt es darin, sei am Freitagmorgen um 10.47 Uhr „über einen möglichen Staubaustritt an der Konditionierungsanlage vom Vortag informiert“ worden. Daraufhin habe man „umgehend und wiederholt“ alle Rohrleitungen und Filter kontrolliert – zunächst ergebnislos. Nach Betriebsschluss habe der Anlagenführer dann die Silos von oben noch einmal intensiv untersucht, mit dem Ergebnis, dass er „am Silo 4 unterhalb des Anschlussflansches der Füllleitung ein sehr kleines, verkrustetes Leck entdeckte“. Dieses sei zum Zeitpunkt der Befüllung „durch verklumpte Staubpartikel“ verschlossen und damit dicht gewesen. Erst, als die Restluft aus einem Silofahrzeug mit höherem Druck ins Silo geblasen wurde, so die Theorie bei Terrag, sei das Leck geöffnet worden. Da beim eigentlichen Befüllen kein Austritt beobachtet werden konnte und die Filtersysteme „technisch einwandfrei“ arbeiteten, sei davon auszugehen, „dass nur sehr geringe Mengen an Staub in die Umgebung gelangt sein können“.

Der kaputte Anschlussstutzen wurde lauf Terrag am Montagmorgen ausgetauscht. Das Silo sei während dieser Zeit nicht in Betrieb gewesen. Vorsorglich soll jetzt eine Kamera zur Beobachtung der Silodächer installiert werden, die auf den Bildschirm im Leitstand geschaltet wird. Die SGD Süd will sich laut Sprecherin Nora Schweickert von der Fachfirma Nachweise vorlegen lassen, dass die Leckage tatsächlich fachgerecht beseitigt wurde.

Quelle: Pfälzischer Merkur vom 21. Juli 2015

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